Letztes Update: 13.07.2010

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Russentonnen

Die russischen Teleobjektive oder “Russentonnen”

Wenn man “Russentonne”sagt, muß man zwei Typen mit verschiedenen Brennweiten unterscheiden. Es gibt den Maksutov-Typ (MTO 11 CA in der 4”Größe) und die Makro-Version, das Rubinar, ein ungewöhnliches optisches System mit einem zweilinsigen afokalen Korrektor als Frontelement. Der Maksutov ist mir bis jetzt als 1000 mm f/10 und als 500 mm f/8 begegnet, das Rubinar als 1000 mm f/10, 500 mm f/5,6 und f/8 und als 300 mm f/4,5.

Obwohl Photoobjektive oft visuell ungeeignet sind, haben diese Spiegel-Objektive meist eine sehr gute Abbildung und so gut wie keinen Farbfehler, so dass die Russentonnen als Einsteigerteleskope, als Leitrohr oder perfektes Reiseteleskop gern eingesetzt werden.

Rubinar(links) und Maksutov MTO11 CA  

Sehen wir uns die 1000 mm Version an. Da es eigentlich Fotoobjektive sind, haben sie einen Anschlag für ¥, der den Fokuspunkt in der Filmebene 43 mm hinter den Gewinde festlegt. Für gerades Beobachten mag diese Entfernung für die meisten Okulare reichen, aber wenn mit Zenitprisma beobachtet wird, reicht es nicht zum Scharfstellen. Daher muss dieser Anschlag entfernt werden.

Weiterhin sind die optischen Elemente oft zu eng eingespannt und zu fest verschraubt, so dass deutlich sichtbare Bildfehler entstehen. Fast alle schlechten Objektive können durch Lockern der Verschraubungen wieder zu ihrer ursprünglichen Bildqualität gelangen.

Hier wird das Entfernen des Anschlages und das Entspannen der Optiken für beide Typen beschrieben.

Das Maksutov, MTO11CA

Beim Maksutov ist das Entfernen des Anschlages sehr einfach. Man muss nur die Schraube entfernen oder kürzen, die in dem Ring mit den Stativanschlüssen steckt. Dann kann über ¥ hinaus fokussiert werden und der Fokuspunkt wandert hinten weiter vom Anschlag weg. Nun kann auch Zubehör mit optischen Weglängen von mehr als 100 mm benutzt werden. Achtung: mit abnehmendem Abstand der optischen Komponenten nimmt die effektive Brennweite zu, dabei sinkt die Lichtstärke. Man kann diesen Effekt auch gezielt zur Brennweitenverlängerung einsetzen, wenn z.B. die Leitrohrbrennweite verlängert werden soll oder man bei einer Sofi mehr als 1000 mm Brennweite haben möchte.

Entfernen des Anschlages beim Maksutov    

Es gibt drei optische Elemente, die nicht zu streng eingeschraubt werden dürfen: die Meniskuslinse, der Spiegel und die Korrekturlinse. Die Meniskuslinse kann leicht mit dem grossen Gewindering gelockert werden. Nach dem Öffnen des Rückdeckels durch Entfernen der drei kleinen Madenschrauben kann der Spiegel genau so gelockert werden. Die Korrekturlinse kann dann als letztes entspannt werden, vorsichtig, dass man nicht mit dem Werkzeug abrutscht. Spannt die Elemente nur so fest ein, dass man beim Schütteln ein leichtes Klappern hören kann, mehr nicht.

Offenes Hinterteil des Maksutov   

Den Erfolg der Aktion kann man beim Sterntest beurteilen, beschrieben zum Beispiel in R.Suiters „Startesting Astronomical Telescopes“. I bevorzuge den Maksutovtyp für Sonnenfinsternisse, es gibt weniger interne Reflektionen wegen der geringeren Zahl an optischen Elementen als beim Rubinar.

Zum Fotografieren kann es bequemer sein, wenn man sein Kamerabajonett direkt am Objektiv hat. Original ist da M42x1 angesetzt, nach Entfernen des M42-Adapters können für einige Anschlüsse die Aussenteile von T2-Adaptern direkt angesetzt werden. Der Ringschwalbenschwanz ist dem T2 Ansatz sehr ähnlich.  So ist der fotografische Einsatz noch leichter.

Wechseln der Kamera-Adapter   


Das Rubinar

Das Entfernen des Anschlages bei mRubinar ist deutlich komplizierter als beim Maksutov, da man das Objektiv ziemlich weit auseinander bauen muss. Aber immer locker bleiben! Bis jetzt ist nie ein Schraube übrig geblieben...

Und nach meiner Einschätzung lohnt sich die Mühe, denn fast alle Rubinare, die ich bis jetzt getestet habe, waren besser als die Maksutovs. Meinen Maksutov habe ich lediglich wegen der geringeren Reflexe bei Sofi-Fotografie. Ausserdem ist der effektive Durchmesser der Rubinare etwas grösser als bei den Maks.

Sehen wir uns den Aufbau der Rubinare näher an:

Mechanischer Aufbau des Rubinars

Es ist wie eine grosse Schraube, abgedeckt durch den gummierten Fokusring.Auf dem Bild kann man den Fokussierring neben der Tonne sehen. Der Anschlag (der schmale helle Ring) ist bereits abgenommen, an der Tonne sind die Gegenlager für die Anschlagsnase zu sehen. Dieser Ring mit der Nase verhindert das weitere Fokussieren in beide Richtungen und damit das Fokussieren über unendlich in die eine Richtung und das Auseinanderschrauben in die andere Richtung. Wie bekommt man diesen Ring heraus? Zunächst muss der Gummiring etwas zurückgezogen werden, und man kommt an 3 kleine Madenschrauben im Fokussierring.

Lösen des Fokusrings    

Nach dem Entfernen der Schrauben kann man den gesamten Fokusring etwas zurückziehen bis man durch die leeren Gewindelöcher den hellen Alu-Anschlagring sehen kann. Nun muss man den Fokusring drehen, bis man in dem Aluring drei noch kleinere Madenschrauben sehen kann. Diese müssen entfernt werden. Nun kann die gesamte Tonne auseinander geschraubt werden, so dass man die Einzelteile vom oberen Foto sehen kann. Den Anschlagring braucht man nicht mehr, und aus dem Fett des Gewindes können diverse kleine Metallteile und Splitter entfernt werden, die dort meist sind. (Wer gutes Fett hat, könnte jetzt auch das Fett wechseln...)

Nun kann die Tonne wieder zusammen gebaut werden. Den Fokusring auf das Vorderteil setzen, die drei Positionen für die Madenschrauben suchen, Madenschrauben einsetzen. Gummiring wieder in die richtige Position schieben. Nun werden die beiden Hälften zusammen geschraubt. Bitte gut aufpassen, dass man den passenden Gewindegang findet. In einigen Gewindegängen dreht es gut, in einigen nicht so leicht. Man fühlt, wenn man im richtigen Gewindegang ist.

Das war´s! Nun können diverse Zubehörteile genutzt werden, aber auch hier nimmt die effektive Brennweite zu, je weiter man über unendlich hinaus fokussiert.

Zusammenbau

Nach dem Entfernen des Anschlags kann auch hier die Optik entspannt werden. Das Verfahren ist wie beim Maksutov, Frontelement, Spiegel und Korrektorlinse müssen entspannt werden. An den Spiegel kommt man wie beim Mak nach dem Entfernen des Rückdeckels.f

Offenes Hinterteil des Rubinar  

Nun sind beide Objektive einsatzbereit für den astronomischen Einsatz.

Das kleine Rubinar 500/5,6

Viele Sternfreunde haben für photographische Zwecke noch das 500 mm Rubinar Blende 5,6. Auch nach Entfernen des Anschlages für Unendlich liegt der Fokus noch so knapp hinter dem Anschluß, dass mit Zenitprisma fast kein Okular den Fokus erreicht.

Scheinbar gibt es aber hier auch Unterschiede, mich erreichte eine mail von einem Sternfreund, der auch bei seiner 500er Tonne mit diversem Zubehör arbeiten kann. Probiert es einfach aus...

Mit einer Zerstreuungslinse, z.B. aus einer Barlowlinse, kann der Fokus weiter nach hinten verlegt werden, so dass man auch mit einem kleinen, optisch kurzen Zenitprisma fokussieren kann. (Dieser Effekt wird auch bei Binokularansätzen mit den “Glaswegkorrektoren” genutzt. Durch eine Barlowlinse verlegt man den Fokus weiter nach hinten.) Der Einsatz dieser Zerstreuungslinse bewirkt natürlich eine Verlängerung der Brennweite, so dass man fast wieder mit der 1000er Tonne gucken kann... 

Allgemeine Anmerkungen dazu:

Wenn die Optiken mal gereinigt werden müssen, sollten keine “scharfen” Putzmittel wie Spiritus oder so benutzt werden. Die Beschichtungen der Optiken sind sehr empfindlich, meine Erfahrungen mit etwas mildem Spüli in Wasser sind gut.

Das Fokussieren der Optik mag durch das Verdrehen der Elemente eine Änderung der optischen Leistung hervorrufen. In dem Fall kann es gut sein, einen sparaten Fokussierer zu montieren und die Linsen durch Drehen zueinander zu optimieren.

Wenn Ihr eine Halterung für die Tonne als Leitrohr baut, achtet darauf, dass kein zu hoher Druck auf die dünnen Aluminiumteile kommt. Sie können sich leicht verformen und dann auf die Optiken drücken.

Ganz wichtig: sämtliche hier genannten Aktionen habe ich mit Erfolg durchgeführt. Trotzdem kann ich natürlich KEINE Verantwortung für das übernehmen, was Ihr nach dem Lesen mit Euren Tonnen tut. Alles, was Ihr tut, geschieht auf Euer Risiko. Seid vorsichtig, dann wird schon nichts passieren.

 

Viel Spass mit Eurer „Russentonne“!

Habt Ihr Kommentare oder weitere Anmerkungen? Bitte schickt sie an michael at mushardt.de.

 

 

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